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Sorbische Minderheit wehrt sich gegen Schulpolitik

31.08.2001 - Rasmus Bjerregaard

Mit der größten Protestaktion in ihrer jüngeren Geschichte wehren sich die Sorben in der Lausitz gegen Sachsens Schulpolitik. Vorläufiger Höhepunkt einer mehr als dreiwöchigen Auseinandersetzung war am Freitag ein Streik an den sieben sorbischen Schulen in Ostsachsen. Anlass der Aktion sind Pläne des Kultusministeriums, zunächst die fünfte Klasse der sorbischen Mittelschule Crostwitz und damit später die ganze Schule zu schließen. Als nationale Minderheit sehen die Sorben durch diese Schulpolitik die Erhaltung ihrer Kultur und Sprache bedroht.

Unter dem Motto "Sachsen braucht beste Schulen!" waren in der ostsächsischen Lausitz rund 1500 Schüler, Eltern und Einwohner in einen zweistündigen "Streik" getreten. "Wir können heute sagen, das ist die größte politische Aktion, die es in der Geschichte der Sorben der letzten 200 bis 300 Jahre gegeben hat", sagte der Schriftsteller Jurij Koch vor rund 500 Schülern, Eltern und Einwohnern auf dem Hof der Crostwitzer Schule. Seit nunmehr drei Wochen protestieren Schüler, Eltern und Prominente wie der Autor Jurij Brezan gegen die Nichtzulassung der fünften Klasse in Crostwitz.

Kultusminister Matthias Rößler (CDU) besteht aufgrund sinkender Schülerzahlen auf der Aufgabe eines sorbischen Schulstandortes. Am Mittwoch hatte der Minister den Eltern und Schülern mit drastischen Maßnahmen wie Sitzenbleiben und Verweigerung eines Zeugnisses gedroht. Ein Kompromiss des Ministeriums sieht vor, die Sorben sollten selbst entscheiden, welche von den vorhandenen Schulen auf eine fünfte Klasse verzichtet.

In der Lausitz leben heute etwa 60 000 Sorben - rund 40 000 in Sachsen und 20 000 in Brandenburg - die kein anderes Mutterland außerhalb Deutschlands haben. Die sorbische Sprache gehört zur westslawischen Sprachgruppe.

Als kulturell bedrohtes Volk soll den Sorben nicht die Möglichkeit genommen werden sich zu wehren. Die Schließung der sorbischen Schulen wäre höchst kontraproduktiv. Sorbischer Unterricht erweitert dringend notwendige Sprachhorizonte und ist eine hervorragende Basis, um Tschechisch oder Polnisch zu lernen, - Kenntnisse die für die Grenzregion wichtig sind.

Die sorbische Minderheit hat aber zwei Probleme mit denen sie sich auseinanderzusetzen hat, statt eine Fortsetzung der bisherigen Schulpolitik zu fordern:

Das grundsätzliche Problem ist, dass die Zahl der Sorbisch Sprechende zurückgeht, und dass die Schulen deshalb weniger besucht werden. Daß die Schule als Kulturvermittlungsinstanz eine zentrale Bedeutung zukommt, ist evident und dort hat der Kulturkampf der Sorben anzusetzen, aber nicht im Rahmen eines staatlichen Bildungssystems. Dies wäre ein Anachronismus an sich.

Die Sorben müssen auf freie Schulen setzen und ihre kulturellen Stärken herauskehren, um überleben zu können. Die kulturelle Stärke der Sorben besteht vor allem als Brücke zwischen Deutschland und Slaventum. Die Sorben müssen in ihrem Schulwesen von einem völkischen Exotentum hin zur kulturellen Offenheit kommen, dann wird ihr Platz unter anderen Volksgruppen gesichert sein.

Statt den Erhalt ihrer Schulen sollten sie vom Kultusminister Matthias Rößler das Geld verlangen, das Sachsen sonst für die Schüler an Schulgeld ausgibt, und das Schulwesen in eigener Regie übernehmen. Eine solche Transaktion ist wirklich nur recht und billig.