Schulautonomie Initiative für Schulautonomie Dreigliederung

 

DeutschEnglishFrançaisskandinaviskItalianoEspañolPortuguês (Brasileiro)
 
 impressum 

Arbeitgeberverband kritisiert staatliche Studienplatzvergabe

03.03.2002 - Rasmus Bjerregaard

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Auflösung der Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in seiner jetzigen Form gefordert. "Diese planwirtschaftliche Behörde passt nicht mehr in die moderne Hochschullandschaft", heißt es in einer am Sonntag in Berlin von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände verbreiteten Erklärung ihres Präsidenten Hundt. Seiner Meinung nach muss das "Relikt steinzeitlicher Bildungsplanung" durch das Recht der Universitäten auf eine selbstständige Auswahl ihrer Studierenden ersetzt werden.

"Die Kultusminister müssen den Hochschulen die Möglichkeit eröffnen, die Studierenden selbst auszusuchen", sagte Hundt. Genauso wie sich Auszubildende direkt bei den Betrieben um eine Lehrstelle bewerben, sollten sich auch Studenten unmittelbar bei einer Hochschule um einen Studienplatz bemühen können. Hundt plädierte dafür, die ZVS zu einer Servicestelle umzugestalten, die bei der Suche nach einem Studienplatz helfe und über die bestehenden Angebote und Anforderungen der Hochschulen informiere.

Die Vorteile des Vorschlags von Hundt für Studierende und Hochschulen sind offenkundig. Aber auch für das gesamte Bildungssystem würde es einen gewaltigen Schritt in Richtung Bildungsfreiheit bedeuten. Die Abschaffung der ZVS und die selbständigen Auswahlverfahren der Hochschulen würden den Uniformzwang der Schulabschlüsse brechen. Heute traut sich kaum eine Schule in freier Trägerschaft die einheitlich benoteten Abiturabschlüsse durch andere, individuellere Hochschulreifeprüfungen abzuschaffen.

Solange die einheitliche Abiturprüfung in allen freien Schulen aufrechterhalten werden, hat dies mit der pädagogischen Freiheit nicht viel zu tun, und diese verkommt praktisch zu einer didaktischen Freiheit.

Freie Schulen sollten sich statt des gequälten Tauziehens um öffentliche Finanzmittel verstärkt für die Prüfungsfreiheit interessieren. Vom Arbeitsgeberpräsident ist, wie verkündet, Rückendeckung zu erwarten, aber auch die Hochschulprofessoren halten mittlerweile die Abiturprüfung zu 90% für aussagelos, was die Hochschulqualifikation betrifft.

Dass individuelle Abschlusprüfungen ohne den Zwang von Form, Pflichtfächern und Benotung für Hochschulen als relevant und hochschulberechtigt angesehen werden können, zeigt das Beispiel Dänemarks, wo Schüler freier Schulen ohne staatliches Abitur, aber beispielsweise mit einer Jahresarbeit, durchaus zum Hochschulstudium zugelassen werden.