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Hochschulpräsident fordert Lehrerausbildung auch an Privatuniversitäten

04.05.2002 - Sylvain Coiplet

Der Hochschulpräsident und Philosoph Walther Zimmerli hat die Zulassung der Lehrerausbildung auch an privaten Universitäten in Deutschland gefordert. Alle Schulen in freier Trägerschaft wären gut geraten, diesen Aufruf zu unterstützen. Eine solche Einigung würde mehr Wert haben als gemeinsame Demonstrationen gegen die ständigen Kürzungen von Staatsgeldern.

Lehrer werden nach Ansicht von Zimmerli nicht ausreichend auf die Vermittlung von Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung bei Schülern vorbereitet. Soziale Netzwerke in Schulen, so weit sie überhaupt existierten, sind eher zufällig. "Das ist eine Schwäche, die anlässlich von Erfurt wieder sichtbar wird." "Wenn staatliche Hochschulen eine geeignete Lehrerausbildung nicht zeitnah schaffen, ist es an der Zeit, dass die Privaten andere Modelle erproben", sagte der Präsident der Privatuniversität Witten/Herdecke. Er forderte neue Modellstudiengänge im Bereich Lehrerausbildung an Privatuniversitäten. Die Länder hätten auf diese Weise die Chance, private Hochschulen als "kostengünstige Laboratorien" zu nutzen.

Diese Hoffnung könnte aber leicht getäuscht werden. Es hat sich in den letzten Jahren nämlich immer wieder gezeigt, daß die Bundesländer nicht vor höheren Kosten zurückschrecken, wenn sie nur damit ihr pädagogisches Monopol sichern können.

Bislang dürfen Lehrer nur an staatlichen Hochschulen ausgebildet werden. Die pädagogische Autonomie solcher Reformschulen wie die Waldorfschulen wird dadurch zunehmend ausgehöhlt. In der Oberstufe geht es in den meisten Bundesländern nicht ohne zweites Staatsexamen, weil sonst keine Prüfungsberechtigung für das Abitur vorliegt. Das Lehrerkollegium der Waldorfschulen besteht daher fast ausschliesslich aus Staatsschullehrern, die mit Waldorfpädagogik und Selbstverwaltung überhaupt nichts anfangen können. Durch diese Zerschlagung der pädagogischen Netzwerke ist es den Schulbehörden gelungen, sich eine ernst zu nehmende Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Die Waldorfpädagogik ist nämlich nur noch selten ihr Schulgeld wert. Halbe Freiheit zum Volltarif: Die Rechnung wird nicht mehr lange aufgehen.

Die Lehrerausbildung konzentriert sich nach Ansicht von Zimmerli zu sehr auf Fachfragen und hat zu wenig die Sozialkompetenz im Auge. Hier bestehe grundlegender Reformbedarf, der mit einer bloßen Lehrplanreform oder einer Diskussion, wie Lehrer psychologisch geschult werden sollten, nicht mehr zu bewältigen sei.

Dabei hat Walther Zimmerli nicht nur bezüglich der Lehrerausbildung recht. Zur psychologischen Schulung der Lehrer gehört nämlich auch die Möglichkeit, in ihrem Beruf eigenverantwortlich zu handeln, statt an staatlichen Lehrplänen gebunden zu sein.